Die Weitenjäger vom Saalestrand
(Beitrag vom 27.05.2017 / Saalekreis-Kurier)

Normalerweise findet man Sprungschanzen eher in den schneebegünstigten Regionen der Mittelgebirge. Doch auch im Tiefland, wo die weiße Pracht in der kalten Jahreszeit zu wünschen übrig lässt, werden Schanzen gebaut. Wie zum Beispiel am Rothenburger Saalestrand. Hier kann man allenfalls zur Baumblüte von weißer Pracht sprechen. Weit über 200 Zuschauer lockte in diesem Jahr der „Mattensprunglauf zur Baumblüte“ an die Schanzenanlage im Nußgrund. Unter ihnen der MannschaftsOlympiasieger im Skispringen Andreas Wank. Wer die Schanzenanlage besucht, dem fällt es schwer zu glauben, dass man hier eine große Karriere als Skispringer beginnen kann. Doch genau da hat der SFV Rothenburg seine Nische gefunden. Seine vorrangigste Aufgabe sieht der Verein in der Ausbildung von Nachwuchstalenten, sagt Patrick Valentin, der den Verein seit 2011 führt.

Über 100 Skispringer aller Altersklassen wollten bei diesem traditionellen Sportereignis, das bereits zum 50. Mal stattfand, ihre Besten ermitteln. Aus Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen, Bayern, Sachsen und Sachsen- Anhalt waren sie angereist. Selbst aus dem fernen Lettland hatten einige Aktive den Weg nach Rothenburg gefunden.

Der erste Eindruck: Man braucht Mut. Allein um den Sprung von der Zwergenschanze zu wagen. Die Fünf- bis Siebenjährigen, die hier am Anlauf stehen, scheinen eine gehörige Portion davon zu haben. Steht man aber erst hoch oben auf der 34-Meter-Schanze und sieht hinunter zum Auslauf, kann dem Laien erst recht mulmig werden. Die Zuschauer erscheinen so klein wie Ameisen und es gehört erst recht viel Mut dazu, sich auf dieses Wagnis einzulassen. „Skispringen ist spektakulär“, erzählt Axel Gräßler, Trainer vom SV Lok Eilenburg, auf die Frage was die Jungen und Mädchen antreibe Skispringer zu werden. „Fußball könne schließlich jeder spielen“, ergänzt er.

Skispringen in Rothenburg hat etwas Familiäres. Vielleicht hat sich auch deswegen die Anlage das Flair vergangener Tage erhalten. Moderne Messtechnik oder Videotafeln gibt es nicht. An Wettkampftagen überwachen Weitenrichter die Landungszone – ganz wie in alten Zeiten.

Aktuell zählt der Verein 45 Mitglieder. Über 1.000 Euro kostet eine Ausrüstung aus Ski mit Bindung, Anzug, Helm und Schuhen. Die stellt der Verein für den Nachwuchs gratis zur Verfügung. Die Suche nach jungen Talenten rechtfertigt solchen Aufwand, erzählt Patrik Valentin. Erst recht, wenn irgendwann wieder einer wie Andreas Wank vom FSV Rothenburg ganz oben in der Sportart steht.

Dann wird die Medaillenschmiede Rothenburg nicht mehr unbekannt sein.