Andreas Wank muss sich mit seinem Kumpel Michael Neumayer ein Stechen um den Olympiaplatz liefern. Dabei war er schon einmal klar im Vorteil
(Beitrag vom 10.01.14 / C.Carpe / Mitteldeutsche Zeitung)

Die erste Niedergeschlagenheit ist verflogen. Nicht unterkriegen lassen, lautet die Devise von Andreas Wank. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Noch besteht für den Skispringer, der in Halle geboren ist und in Domnitz im Saalekreis groß geworden ist, die Chance auf einen Olympia-Platz. Sie liegt bei 50 Prozent. Und - so ehrlich muss man sein: Sie ist auf diese Quote gesunken. Schuld sind unglückliche Umstände. Bis nach dem zweiten Springen lag Wank bei der Vierschanzen-Tournee mit zwei 15. Plätzen solide im Soll. Dann wurde er in Innsbruck vom Winde verweht, in Bischofshofen „stockte mein Ski in der linken Anlaufspur. Ich war total langsam“, erzählt der 25-Jährige. Die Folge: Er flatterte kläglich über den Hang und wurde Letzter. „Dabei war ich noch froh, dass ich heil gelandet bin.“

Die Folgen des Hüpfers bekam er aber noch am Abend zu hören: „Bei der Auswertung vor der Mannschaft sagte Bundestrainer Werner Schuster, dass Michael Neumayer und ich nun den fünften und letzten Platz im Olympia-Team ausspringen müssen“, erzählt Wank. Fest nominiert für Sotschi sind Serverin Freund, Richard Freitag, Andreas Wellinger und Marinus Kraus. Die können entspannt bei den kommenden Weltcups an ihrer Form feilen. Für Wank und Neumayer heißt es nun: „Der Bessere gewinnt“, wie Wank es sagt. Und er hofft „auf faire Wettkämpfe“. Nächste Woche fällt bei den Springen in Polen - am 16. Januar in Wisla, am 18. und 19. Januar in Zakopane - in diesem Zweikampf die Entscheidung. Zuvor startet Andreas Wank noch am Wochenende beim Skifliegen am Kulm. Das kommt ihm vor dem Showdown ganz gelegen: „Da kann ich mir noch einmal Gefühl holen.“ Außerdem wird er einen Sprung-Anzug testen. „Aber etwas Besonderes probiere ich nicht mehr“, sagt er. Zumal er sich sicher ist: „Meine Form wird immer besser, das ist zu spüren.“ Und mit Blick auf seine Aussage in der MZ vor dem Innsbruck-Springen (siehe Ausriss rechts), sagt er: „Gefühlt bin ich noch in Sotschi.“ Das „noch“ aber beschreibt sein Dilemma. Bis zur Halbzeit der Tournee galt Wank als gesetzt. Doch während er strauchelte, zeigte Neumayer, der zuvor gar nicht zum A-Team zählte, einen klaren Aufwärtstrend. Trainer Schuster kam ins Grübeln - und entschied sich für die faire Lösung eines Duells. Was für beide nicht ganz einfach ist. Wank und Neumayer gewannen bei den Winterspielen 2010 in Vancouver gemeinsam die Silbermedaille im Team. „Wir sind ziemlich gute Freunde“, sagt Wank - und weil das so ist, haben sie sich nach der Trainer-Entscheidung auch abgeklatscht. „Wir sind ähnliche Typen, nur dass Michael mehr Erfahrung hat. Er trainiert traditioneller, ich probiere gern auch einmal was Neues“, so Wank.

Neumayer wird am 15. Januar 35 Jahre alt. Für ihn wäre Sotschi das große Finale einer langen Karriere. Wank gibt den Platz deshalb trotzdem nicht freiwillig her. „Es werden ganz knappe Entscheidungen, da geht es um ein, zwei Meter“, wagt er als Prognose und hofft, dass bei ihm „der Knopf aufgeht“. Die nervliche Belastung sei „eher geringer geworden. Vorher mussten alle bangen. Jetzt geht es um uns beide.“ Außerdem: „Mir liegen die Schanzen in Polen.“ In Zakopane wurde er 2008 Junioren-Weltmeister. Und wenn er es am Ende doch nicht schafft? „Dann wäre das unglaublich schade. Es geht trotzdem immer weiter. Aber daran denke ich jetzt noch nicht“, sagt Andreas Wank.