Wank bangt
(Beitrag vom 17.01.14 / SID / DPA / Mitteldeutsche Zeitung)

Während Andreas Wellinger seinen ersten Sieg feiert, muss der gebürtige Hallenser nach einem verpatzten Sprung in Wisla um sein Olympia-Ticket fürchten.

Andreas Wank muss noch Geduld haben. Das teaminterne Duell mit Michael Neumayer um das letzte Ticket im Skisprung-Team für die Olympischen Spiele in Sotschi ist auch nach dem Weltcup in Wisla noch nicht entschieden. Der gebürtige Hallenser wurde zwar nur 27. und lag noch hinter seinem Konkurrenten Neumayer (25.). Doch dank eines starken ersten Durchgangs, nach dem Wank Zwölfter war, dürfte er trotzdem noch Chancen haben.

Nach dem Abschluss der Polen-Tour mit den beiden Springen in Zakopane wird Bundestrainer Werner Schuster entscheiden, wer neben den bereits gesetzten Richard Freitag, Severin Freund, Marinus Kraus und Andreas Wellinger nach Sotschi reisen wird.

Wellinger zumindest hat seine Nominierung am Donnerstag in Wisla mehr als gerechtfertigt. Mit 18 Jahren hatte der Youngster aus Ruhpolding seinen ersten Weltcup-Sieg eingefahren und damit die Durststrecke der deutschen Skiadler eindrucksvoll beendet. In Wisla bewies Wellinger Nervenstärke und setzte sich in einem packenden Finale vor dem Gesamtweltcup-Führenden Kamil Stoch (Polen) und Michael Hayböck (Österreich) durch.

„Ich bin überglücklich, das ist ein fantastisches Gefühl. Ich kann es gar nicht beschreiben, das ist einfach der Wahnsinn“, sagte Wellinger in der ARD. Mit Weiten von 127,0 und 128,5 Metern hatte er die namhafte Konkurrenz in Schach gehalten und 22 Tage vor Olympia Medaillen-Hoffnungen geweckt.

„Vor dem zweiten Sprung war ich etwas nervös, aber ich habe ja schon im Training gute Sprünge gezeigt. Das ist ein geiles Gefühl, das muss man feiern. Ich will öfter da oben stehen.“ Auch der Bundestrainer war euphorisch. „Das ist toll und ein sehr bewegender Moment für den jungen Burschen. Er ist sehr gut gesprungen“, lobte Schuster, der selbst eine große Aktie am Erfolg hatte. Im ersten Durchgang pokerte der Coach mit einer Anlaufverkürzung - und gewann. „Das war eine extrem schwere Entscheidung, weil sich die Windverhältnisse unheimlich schnell verändert haben. Es war grenzgängig, aber wir haben alles richtig gemacht.“

Als Wellinger schon auf dem Balken saß, schaltete die Ampel plötzlich noch einmal auf Rot. „Da habe ich zunächst gedacht, der Wind ist zu gut oder zu schlecht“, berichtete er. Erst später dämmerte es ihm, dass die Anlaufverkürzung auf das Konto von Schuster ging. So gut es für Wellinger lief. Die anderen deutschen Springer erwischten keinen guten Tag und verpassten eine Top-Platzierung. Zweitbester Deutscher war Severin Freund, der sich dank eines starken Sprungs im zweiten Durchgang noch um elf Plätze auf den 13. Rang verbesserte. Freund stürzte zunächst im Training, dann verpatzte er seinen ersten Versuch. „Er war durch das Missgeschick nicht gehemmt, sondern hat einen Absprungfehler gemacht“, analysierte Schuster. Richard Freitag wurde 19.

Ob auch Andreas Wank demnächst Grund zum Jubeln hat, muss sich in den kommenden Tagen entscheiden. Wank selbst wirkt eher entnervt über die ewige Debatte. „Ich bin es wirklich leid, ständig darüber zu reden“, meckerte der 25-Jährige. „Es geht doch schon den ganzen Winter um die Tickets für die Olympischen Spiele in Sotschi. Jetzt sind es eben nur noch zwei, die darum kämpfen. Ich mache mir keine Gedanken um den direkten Konkurrenzkampf und werde das Skispringen weiter genießen.“