Schreck nach Glücksgefühl bei Andreas Wank
(Beitrag vom 19.01.14 / SID / DPA / Mitteldeutsche Zeitung)

Andreas Wank wirkt nach der Olympia-Qualifikation befreit. Doch ein Sturz in Zakopane hätte ihn fast wieder den Startplatz in Sotschi gekostet. Doch zum Glück verletzte er sich bei seinem Sturz am Sonntag nicht.

Dem Gefühl der Erlösung folgte der Schock. Kaum hatte Skispringer Andreas Wank sein Ticket für die Olympischen Spiele in Sotschi gelöst, drohte er es auch schon wieder verloren zu haben. Zumindest für einige Minuten. Beim Weltcup-Springen in Zakopane am Sonntag wurde der Mann aus Domnitz im Saalekreis Opfer seines Materials. Nach einem Sprung auf starke 128 Meter löste sich sein rechter Schuh aus der Skibindung. Wank stürzte in den nassen Schnee und stand dann mit starken Schmerzen mühsam auf. Er humpelte aus dem Zielbereich direkt zur medizinischen Abteilung der deutschen Mannschaft. Doch anfängliche Sorgen um eine ernsthafte Verletzung zerstreuten die folgenden Untersuchungen. „Es ist nichts kaputt. Es wird wohl nur ein blauer Fleck sein“, sagte Andreas Wank und wollte sogar zum zweiten Durchgang antreten. Doch den gab es nicht. Die Jury entschloss sich nach langem Zögern, den Wettbewerb abzubrechen.

Schon für das Chaos in Durchgang eins erntete das Kampfgericht harsche Kritik. Bundestrainer Werner Schuster stand fassungslos im strömenden Regen. „Unfassbar, dass die jetzt auch noch krampfhaft einen zweiten Durchgang durchbringen wollen“, schimpfte er ins ARD-Mikrofon. Über mehr als zweieinhalb Stunden zog sich der erste Durchgang vor 30 000 Zuschauern hin. Zunächst böige, wechselnde Winde, später dann eine durch den Dauerregen zur Wasserrutsche gewordene Anlaufspur sorgten immer wieder für Unterbrechungen. „Schade um dieses schöne Springen. Aber das Wetter muss man manchmal einfach hinnehmen“, sagte Schuster.

Nicht hinnehmen wollte der Bundestrainer indes, dass Andreas Wellinger und Österreichs Tourneesieger Thomas Diethart von der Schanze gelassen wurden, als die Spur einem Sturzbach glich: „Das war hochgradig unfair“, sagte Schuster. Beide waren bei ihrem Versuch chancenlos, durften zwar noch einmal antreten, waren dabei aber erneut deutlich langsamer als die Schnellsten bei trockenerer Spur. Diethart wurde letztlich 43., Wellinger 50. und Letzter.

Noch recht gute Bedingungen hatten die anderen deutschen Springer. Richard Freitag führte nach einem 129-Meter-Sprung lange, ehe Sieger Anders Bardal aus Norwegen und der Slowene Peter Prevc vorbeizogen. Marinus Kraus belegte den starken vierten Platz, Severin Freund wurde Sechster. Für Andreas Wank wurde am Ende Platz 37 notiert - egal. „Das Olympia-Ticket war eine Befreiung für mich“, beschrieb der 25-Jährige seine Gefühlslage und kündigte an: „Jetzt kann ich die nächsten zwei, drei Wochen noch mal intensiv nutzen, um mich zu verbessern. Gerade im technischen Bereich und in Materialfragen.“

Die Mühen der vergangenen Monate haben sich für Wank, der seit einigen Jahren im Schwarzwald wohnt und sich mit Freundin Alina gerade ein Eigenheim in Titisee baut, also doch noch ausgezahlt. Nach Vancouver ist er erneut bei Olympia dabei. Damals gewann er mit der Mannschaft Silber. „Ich komme immer besser in Fahrt und bin ziemlich stabil, auch wenn ich noch ein paar kleine Fehler drin habe“, stellte Wank am Sonnabend nach dem zweiten Platz beim letzten vorolympischen Teamspringen zufrieden fest. „Den Ausschlag hat gegeben, dass Michael Neumayer in den vergangenen Wochen auf der Stelle getreten ist, während Andreas Wank in einzelnen Durchgängen gute Leistungen gezeigt hat und mit der Drucksituation gut umgegangen ist“, begründete Bundestrainer Werner Schuster seine Entscheidung für Wank.