Autoren: Peter Ott, Wilmar Ott, László Müller, Ronald Blümke (Stand vom 07.05.2011)

Normalerweise gehört der Besitz einer Sprungschanze zum guten Ton eines jeden Ortes, der sich im Winter auf Grund seiner Höhenlage über mehr Schnee als andere Städte und Dörfer freuen kann. Aber nicht nur in den schneebegünstigten Regionen unserer Mittelgebirge, sondern auch im Tiefland, wo die weiße Pracht in der kalten Jahreszeit, mehr als vielen wintersportbegeisterten Menschen lieb ist, häufig zu wünschen übrig lässt, werden Schanzen gebaut. So reizten nach ergiebigeren Schneefällen die Hänge rund um Rothenburg und entlang des mittleren Saaletals, auch wenn diese kaum über eine Höhenlage von 200 m über dem Meeresspiegel hinausreichen dürften, viele junge Menschen dem Wintersport, sei es mit Ski oder Schlitten, zu frönen.

Als in den fünfziger Jahren die ersten Mattenschanzen errichtet worden sind und das Dreigestirn Harry Glaß, Werner Lesser und Helmut Recknagel in die Weltspitze vorstieß, wuchs auch in Rothenburg der Wunsch, sich im Skispringen zu versuchen. Und so verwundert es nicht, dass im Jahre 1960 kurz vor dem Weihnachtsfest im Rahmen einer Wahlveranstaltung der damaligen BSG Motor Rothenburg durch die begeisterten Wintersportler Peter Ott, Gerhard Keller, Erich Müller und Werner Bol eine Gruppe Skisport gegründet wurde. Mit der Erlaubnis des Gemeinderates begannen diese Enthusiasten noch im November gleichen Jahres mit dem Bau einer kleinen Schanze im Tannengrund bei Rothenburg. Am 14. Oktober 1961 erfolgte dann die Vereinsgründung.

Leider ließ der Schnee im Winter 1961/62 lange auf sich warten. Als der Flockenwirbel endlich kam, schrieb man schon den 04. März. Das aber hatte der Begeisterung für den Wintersport in Rothenburg keinen Abbruch getan. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde erstmals gesprungen, wobei Weiten bis 15 m erreicht worden sind. Um regelmäßig- trainieren zu können, mussten aber Matten her. Für ihre Anschaffung wurden damals rund 7000 Mark benötigt, welche die BGL des VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg nach langem Drängen und der Überwindung vieler Widerstände am 29. Juni 1962 bewilligte. Die Sektion Ski hatte in der Folgezeit einen starken Zulauf, was nicht zuletzt auf die gute Arbeit der Verantwortlichen zurückzuführen war. Bereits im Januar 1963 zählte sie 6 Langläufer und 16 Springer als ständige Mitglieder, die bei Wettkämpfen im Bezirk Halle immer erfolgreicher wurden. Als ein wichtiger Meilenstein der Entwicklung im Rothenburger Skisport kann die Einweihung der Mattenschanze im Tannengrund am 09. Juni 1963 angesehen werden.

Das nun mehrmals in der Woche durchgeführte Training führte zu einem steilen Anstieg der Leistungen, aber auch der Mitgliederzahl. So stellten die Rothenburger beispielsweise bei einem Sprunglauf am 01. Dezember 1963 in Friedrichsbrunn in allen Altersklassen die Sieger. Bei der am 26. Januar 1964 durchgeführten Bezirksmeisterschaft konnte Peter Ott den ersten Meistertitel für Rothenburg erringen, während in der Jugendklasse Karl-Heinz Galewsky mit dem zweiten und Günther Haase mit dem dritten Platz zu überzeugen vermochten. Seit jenem Jahr bestimmten die Rothenburger mit überzeugenden Leistungen maßgeblich das Niveau des Skispringens im Bezirk Halle. Auch bei den Kinder- und Jugendspartakiaden des Bezirks wurden viele Medaillen erkämpft. Zeitweise starteten bis zu 24 junge Springer an den Wettkämpfen in Friedrichsbrunn, Harzgerode, Wippra, Eilenburg, Wernigerode, Hasselfelde und Benneckenstein.

Es vergingen nur wenige Wochen, bis Rothenburger Wintersportler mit Gerhard Keller und Karl-Heinz Haase im Langlauf sowie Peter Ott im Sprunglauf an einer Bezirksmeisterschaft in Friedrichsbrunn teilnahmen. Das war am 29. Januar 1961.
Um sich zu verbessern suchten Peter Ott und seine Gefährten nach geeigneten Möglichkeiten zum Sprungtraining. Diese wurden in dem etwa 60 km von Rothenburg entfernten Eilenburg gefunden, wo bereits eine 20-Meter-Schanze existierte. Immer mehr Skibegeisterte scharten sich um das noch kleine „Häuflein Aufrechter“.

Am 04. Oktober 1961 wurde die Sektion Ski innerhalb der BSG Motor Rothenburg ins Leben gerufen. Damit wurde durch deren Gründungsmitglieder Gerhard Keller, Paul Franke, Peter Ott, Erich Müller, Volker Nebeling, Hartmut Kritschker, Karl-Heinz Galewsky, Horst Leitz und Walter Weber ein weiterer Schritt unternommen, um Rothenburg im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Anziehungspunkt für aktive Wintersportler, aber auch Wintersportfans zu machen.

Die Sektion Ski konnte damals auf die stolze Zahl von vorübergehend 68 Mitgliedern verweisen. Als erfolgreichste Sportler etablierten sich damals in den Wettkampflisten Peter Ott, Günther Haase, Erhard Hunger, Wilmar und Klaus Ott, Roland und Rainer Westphal, Gerd Werner, Günther Ermel, Norbert Schüler, Mario Müller, Axel Dorn, Ingo Borufka, Detlef Kiefert und Ulrich Schatte. Die Erfolge der Rothenburger Wintersportler sprachen sich rasch herum, und so blieb es nicht aus, dass damals besonders der SC Motor Zella-Mehlis großes Interesse am Springernachwuchs der Saalkreisgemeinde gezeigt hat. Von 1967 bis 1987 wurden Günther Ermel, Wilmar Ott, Norbert Schüler, Klaus Ott, Detlef Kiefert und Kay Werner zu diesem rennomierten Wintersportclub delegiert. Von den genannten Sportlern erwiesen sich Wilmar Ott, der 1968 Trommelpokalsieger und 1970 DDR-Jugendmeister werden konnte, und Kay Werner als DDR-Sommermeister 1988 als besonders erfolgreich.

Die Schanze im Rothenburger Tannengrund setzte jedoch der weiteren Leistungsentwicklung enge Grenzen. Eine größere Schanzenanlage musste her. Für eine solche eignete sich ein Hang im Nussgrund bei Rothenburg. So wurden im Frühjahr 1973 die Arbeiten für eine neue Schanzenanlage in Angriff genommen. Erst wurde die Schülerschanze (K 15 m) fertig gestellt.

Leider waren zunächst keine Matten zu beschaffen und so musste man sich mit alten Schrottmatten von den Anlagen in Oberhof und Lauscha weiterhelfen. Mit ihnen wurde die Schülerschanze notdürftig belegt.
Am 25. November 1973 erfolgte die Einweihung dieser mit einem modernen Profil ausgestatteten Schanze. An dieser Schanzenweihe beteiligten sich 60 Aktive vom SC Motor Zella-Mehlis, aus Lauscha, Cursdorf, Neuhaus/Rwg., Mellenbach, Oberweißbach, Wernigerode, Eilenburg und Rothenburg.

Erster Schanzenrekordhalter wurde mit 17,5 m der für den SC Motor Zella-Mehlis springende Rothenburger Wilmar Ott. Die Rothenburger Wintersporttradition, die im Tannengrund 1964 begonnen hatte, zur Baumblüte einen Mattensprunglauf durchzuführen, konnte nun auf einem höheren Niveau fortgesetzt werden. Diese reizvolle Veranstaltung lockte Jahr für Jahr zahlreiche Zuschauer an die Schanze.

Im Jahr 1975 wurde die Schanzenbaude errichtet und bis 1977 die Jugendschanze mit einem K-Punkt von damals 30 m fertig gestellt. Alle dafür notwendigen Arbeiten wurden von den Sportlern in unentgeltlicher Tätigkeit im Umfang von über 8.500 Stunden durchgeführt. Neben Peter Ott muss vor allem die Leistung von Günther Haase gewürdigt werden, der als Dreischichtarbeiter häufig ganz allein in den Vormittagsstunden ausschachtete.

Am 13. November 1977 weihten 98 Skispringer aus 13 Gemeinschaften mit einem großen Mattensprunglauf die  Jugendschanze ein. Zu diesem Ereignis hatte sich viel Prominenz eingefunden. So weilten mit dem Verdienten Meister des Sports Franz Renner vom SC Dynamo Klingenthal und dem Gewinner der Olympischen Bronzemedaille von Sapporo, Rainer Schmidt vom SC Motor Zella-Mehlis zwei namhafte Vertreter des Sprunglaufsports in Rothenburg.

 

 

Den ersten Schanzenrekord stellte mit 31,5 m Peter Schaffrath aus Eilenburg auf. Mit großer finanzieller Unterstützung durch den VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg wurde der noch fehlende Stromanschluss im Jahr 1980 zur Schanze gelegt.

Diese Errungenschaft veranlasste den Skiläuferverband der DDR die Ausrichtung des XXII. Trommel-Pokalsprunglaufs im Oktober gleichen Jahres den Rothenburger Sportfreunden zu übertragen. Damit wurde die emsige Tätigkeit der Rothenburger Sektion Ski gewürdigt. Erstmals wurde einer Tieflandgemeinschaft eine derartige Ehre zuteil. Mit ihr waren große Herausforderungen an das Organisationstalent der Führungsmannschaft der Sektion Ski verbunden, mussten doch die besten 120 Skispringer der AK 12 aus der ganzen Republik und deren Trainer und Betreuer sowie die Verbandsfunktionäre in Rothenburg und Umgebung für vier Tage versorgt und beherbergt werden.

 

Das Jahr 1981 ist für die Sportfreunde Hans-Jörg Buchholz und Wilmar Ott mit folgenden Ereignissen verbunden, die für unseren Skiverein später noch bedeutsam werden sollten. Sportfreund Hans-Jörg Buchholz übernimmt den Vorsitz der damaligen BSG Motor Rothenburg (jetzt TSV Rothenburg) und begleitet diese Funktion, durch alle Höhen und Tiefen gehend, nunmehr bereits seit 30 Jahren. Für seinen langjährigen, persönlichen Einsatz um die Belange unseres Vereins gebührt ihm ein besonderes Dankeschön.

Wilmar Ott (14 Jahre beim SCM Zella-Mehlis agierend) wird im Februar 1981 bei der DDR Kinder- und Jugendspartakiade in Oberhof mit seiner Trainingsgruppe bester Nachwuchstrainer im Skisprung der DDR. Am 01.August 1981 kehrt er nach Rothenburg zurück und übernimmt für die nächsten 25 Jahre die Funktion als Stellvertreter und Cheftrainer unseres Skivereins. Unter seiner sportlichen Leitung und seinem Trainerteam in Rothenburg gelang es uns, junge Sportler wie Kay Werner, Andreas Wank und Christoph Müller sowie weiteren Sportfreunden die zum SCM bzw. nach Oberhof delegiert wurden, zu nationalen und internationalen Erfolgen zu führen. Mit zwei Juniorenweltmeistertiteln und einer Olympischen Silbermedaille durch Andreas Wank gehört unser Verein zum erfolgreichsten Skiverein in Sachsen-Anhalt. Die regionalen und überregionalen Erfolge unserer Sportler sind längst nicht mehr zählbar. Unbedingt hier zu erwähnen ist jedoch der 8. Platz für Jessica Blümke bei den 1.Damenmeisterschaften im Skisprung der Bundesrepublik sowie der 3. Platz bei den German Masters 2002 in Lauscha der Männer (Amateurmeisterschaft) für Jens Jungk.

Einen herben Rückschlag mussten die Rothenburger Skisportler verkraften, als 1983 aus drei alten Munitionsbunkern der Mansfeld-AG ein großer ZV-Bunker für die SED-Bezirksleitung gebaut wurde. Sechs Monate lang war das Schanzenareal mit Baumaterial und Bauzubehör blockiert, so dass überhaupt kein Sprungbetrieb möglich war. Die damit verbundene Abwanderung von Sportlern war bis 1990 nicht wieder zu kompensieren.

Mit der politischen Wende im Jahre 1990 brach die finanzielle Unterstützung durch das Draht- und Seilwerk Rothenburg weg. Die Gemeinde als neuer Eigentümer konnte dafür keinen Ersatz bereitstellen. Die BSG nannte sich in TSV Stahl um und aus der Sektion Ski wurde eine Sparte. In dieser Phase der Orientierungslosigkeit beschlossen die fünf übriggebliebenen Skisportler, den Sportbetrieb auf kleiner Flamme mit eigenen Mitteln weiterzuführen.

Neue Partner im nun vereinten Deutschland kamen hinzu. Dazu zählen unter anderem die Wintersportvereine in Baiersbronn/Schwarzwald, Braunlage, Bad Steben und Königsbronn/Schwäbische Alb. Durch glückliche Umstände gelang 1996 ein ABM-Einsatz, in dessen Folge die verrotteten Anläufe beider Schanzen erneuert und mit einer Glas-Anlaufspur ausgerüstet werden konnten. Die dadurch gewonnene höhere Anlaufgeschwindigkeit wurde dazu genutzt, den K-Punkt der Jugendschanze von 30 auf 34 m zu erweitern und die Trainingsbedingungen damit weiter zu verbessern.

So konnten die Nachwuchssportler Patrick Valentin und Andreas Wank soweit qualifiziert werden, dass sie ab 1998 Aufnahme im Sportgymnasium Oberhof fanden. Während Patrick Valentin durch mehrfache Verletzungen zurückgeworfen wurde, gelang Andreas Wank ein steiler Aufstieg im Leistungssport. Andreas Wank wurde Deutscher Schülermeister, Deutscher Jugendmeister, Deutscher Meister der Männer, Doppeljuniorenweltmeister und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, Kanada (siehe Extrablatt Erfolge Andreas Wank). Darauf sind die Rothenburger mit Recht stolz. Im gleichen Jahr wurde die Schülerschanze, auf der Andreas Wank das Skispringen erlernt hatte, in Andreas-Wank-Schanze umbenannt.

Nach 40 Jahren unermüdlicher Arbeit an der Spitze des Rothenburger Skisports gab Peter Ott am 03. Dezember 2000 die Amtsgeschäfte in jüngere Hände. Er hinterließ seinem Nachfolger Ronald Blümke einen leistungsfähigen Stamm von ehrenamtlichen Mitarbeitern, darunter sechs ausgebildete Übungsleiter und fünf qualifizierte Kampfrichter, aber auch ein in allen Altersklassen starkes und für die Zukunft hoffnungsvoll stimmendes Springerteam. Als Dank für seine Jahrzehnte lange Tätigkeiten an der Schanze wurde im Juli 2003 im Rahmen einer TV-Live-Übertragung die Jugendschanze in Peter-Ott-Schanze umbenannt. Nur wenige Monate später verstarb Peter Ott 68-jährig.

Seit dem Jahr 2000 wurden durch den Sportfreund László Müller Kontakte zu anderen Skispringern ins Ausland geknüpft. Zu erst in seine zweite Heimat Ungarn (SE Köszeg), später kamen die Kontakte nach Slowenien, Rumänien, Holland und Slowakei hinzu. Die bereits bestehenden Kontakte zu Vereinen in Tschechien und in Polen wurden erneuert. So wurde im Juni 2003 ein 1. Internationaler Mattensprunglauf durch den kleinen Verein durchgeführt, an dem sechs ausländische Mannschaften teilnahmen. Auch mit diesem neuen Wettkampf kamen, welcher nun jährlich stattfand, große organisatorische und finanzielle Herausforderungen auf den Verein zu.

Doch mit den internationalen Wettkämpfen und dem dazu parallel verlaufenden sportlichen Aufstieg von Andreas Wank gewann der Verein auch wieder mehr und mehr an Bedeutung. So kam im Jahr 2004 auch der Ex-Bundestrainer Reinhard Heß nach Rothenburg. Hess bescheinigte dem SFV eine gute Vereinsarbeit, kritisierte aber auch den Zustand der Schanzenanlage, um im gleichen Atemzug den erstmals anwesenden Landrat dazu zu bewegen, bei der Lösung der Probleme hilfreich den SFV zu unterstützen.

So wurde im gleichen Jahr eine Blechgarage aufgestellt, die zu einem Umkleideraum umgebaut wurde. Im darauf folgenden Jahr konnten durch die Bereitstellung von 46.000 Euro, die zu großen Teilen durch die Stadt- und Saalkreissparkasse, Lotto-Toto, den Landessportbund und die Stiftung Sport/Region Halle bereitgestellt wurden, die Schanzen mit den modernen grünen finnischen Matten neu belegt werden. Im gleichen Zeitraum wurde die Glasspur auf der Peter-Ott-Schanze durch eine Edelstahlspur erneuert. Diese Modernisierung der Schanzenanlage wurde durch den unermüdlichen und ehrenamtlichen Einsatz vieler Vereinsmitglieder, die dabei ihre komplette Freizeit opferten, erledigt. Unentgeltlicher Tätigkeit im Umfang von über 2.700 Stunden fielen an. Im Jahr 2010 wurde dann die lang geplante Einhausung der Schanzen, welche durch den Skiverband gefordert wurde, begonnen. Unser größter Dank in unserer 50-jährigen Vereinsgeschichte gilt aber allen beteiligten Eltern sowie den unzähligen fleißigen sichtbaren und unsichtbaren Helfern in all diesen Jahren. Ohne sie wäre ein solches erfolgreiches Jubiläum undenkbar. Im Januar 2011 gab Ronald Blümke die Vereinsarbeit komplett in jüngere Hände. Seit dem 06.01.2011 wird der Verein durch Patrick Valentin geführt.